Sechs Bayern auf Rügen

1500 Kilometer mit dem Trike in drei Tagen

 

Teilnehmer : Doris Schaller D-MBMW ( Griesau ), Michael Schultz D-MIKI ( Griesau ), Werner v. Zeppelin D-MWVZ ( Altomünster ), Andreas und Thomas Dannert D-MMYY ( Stassham) und ich Rudi Bierenfeld Haltergemeinschaft der D-MBMW .

Ausgangspunkt unserer Reise war der Flugplatz Griesau ( EDPG) bei Regensburg. Dort fand auch zeitgleich das traditionelle Enduro-Treffen statt, bei dem sich Trike-Flieger aus ganz Deutschland immer pünktlich zum Vatertag treffen, um das verlängerte Wochenende mit gemeinsamen Streckenflügen auszunutzen. Beim Enduro-Treffen gehen die Streckenflüge meist in die nähere Umgebung oder an Orte, die wir sechs schon alle kennen. Diesmal sollte es anders werden, wir wollten uns ausklinken und in die neuen Bundesländer fliegen. Genauer gesagt, nach Rügen an die Ostsee. Wenn man das ganze Jahr im bergischen fliegt bekommt man schon " Plattfüße" beim Anblick des hügellosen Mecklenburg-Vorpommern. Aber das Flachland hat ja auch seine Vorteile. Wenn man dort bei den meisten Flugplätzen eine Platzhöhe von 15 ft. oder weniger hat, braucht man sich dort, im Gegensatz zu uns, keine Sorge machen , dass man im Zuge geistiger Umnachtung gegen einen Berg knallt oder die Notlandewiese so schräg ist, dass man zwar die Notlandung überlebt aber anschließend rückwärts den Abhang runterstürzt.

Am Nachmittag des 28.05.03 treffen wir uns ( bis auf Thomas, der am nächsten morgen noch nach kommt ) in Griesau. Alle Maschinen werden startklar gemacht, für den Trip nach Rügen. Geplanter Abflug 0800 Uhr. Vom Flugplatz Griesau geht es zunächst über den Bayerischen Wald Richtung Grenze Tschechoslowakei und Sachsen. Die Thermik ließ nicht lange auf sich warten und nach einer Stunde Flugzeit bockelte es schon gewaltig. Na ja, an sich macht uns die Thermik nichts mehr aus , aber es kann einem schon mal der Schrecken in die Glieder fahren, wenn man in 4500 ft MSL Höhe noch immer wie wild durchgeschüttelt wird und dann noch unser Werner über Funk laut schreit " Aaaaaachtung eine Fööööööönwolke !!!!" Kleine Anmerkung  : Es war nur eine Wolke und diese hatte Andreas anvisiert zum " küssen".

Bald darauf haben wie den Bayerischen Wald verlassen und den Grenzübergang " Schirnding" aus der Luft passiert. Wie immer hatte sich mal wieder eine riesige Schlange von LKW`s gestaut. Links vorbei am Riesengebirge zum ersten Stopp "Auerbach " in Sachsen.

Der Flugplatz Auerbach, musste 1979 auf " zentrale Weisung " geschlossen werden, weil er zu nah an der innerdeutschen  Grenze lag und durfte erst wieder erst nach der Wende angeflogen werden. Von den ortsansässigen Fliegern wurden wir herzlich empfangen. Dass es, entgegen unserer Information, keinen Spritt gab stellte sich als falsch heraus. Ein Auto war schnell organisiert, die Tankstelle war auch nicht weit und schon bald hatten alle Trikes wieder genügend zu saufen. Ach ja , eine Bockwurst zu Stärkung für 1.50 Euro in der Flugplatzkantine gab es auch noch.

Nächster Step war Taucha bei Leipzig. Vorher wurde Andreas aber noch der persönliche Anlasser der MIKI, da es leichte Probleme beim Anlassen und der Elektik gab. Bis zum Schluss unserer Reise wurde es auch nicht mehr anders.

 Taucha ist der Hauptsitz des bekannten Herstellers " Fresh-Breeze " und verfügt zusätzlich zur Motorpiste noch über eine eigene " sehr gewöhnungsbedürftige Motorsegelpiste " Auch hier wurden wir herzlich begrüßt und mit Sprit ( wieder wurde mit einem Auto das Futtermittel für unser aller ROTAX von einer Tankstelle, ohne Wenn und Aber geholt) sowie mit Getränken versorgt, was nicht überall auf den Flugplätzen so ist.

Weiter ging es nach Brandenburg. Leipzig wird links liegen gelassen und der Flugplatz Bienenfarm ist nach ca. 2 Std. in Sicht. Wie klein ist doch München im Vergleich zu unseren Hauptstadt, wenn langsam im Dunst die Vororte von Berlin an uns vorüberziehen.

Wenn es Sterne für Flugplätze gäbe könnte man für Bienenfarm gut und gerne die meisten vergeben. Dort hat es uns so gut gefallen, daß wir uns entschlossen haben, über Nacht zu bleiben. Landebahn ( Gras ) ohne Ende, Restaurant mit Biergarten und sehr guter Küche. ( Steak vom Grill mit Kartoffelsalat für 5 Euro ). Werner und Michael bekamen im nahgelegtem "Kamerun" ( das Dorf heißt wirklich so ) ein Zimmer. Der Rest von uns durften ihre Zelte direkt am Hangar aufstellen. Duschen und Toiletten kein Thema. Der Spritt wurde am anderen Morgen um 0800 mit dem "Follow me" gebracht, sodass wir um 0900 Uhr wieder starten konnten, in Richtung Anklam.

Die Hansestadt Anklam nennt sich seit ein paar Jahren auch Lilienthalstadt , warum wohl ???  Richtig, dies ist der Geburtsort von Otto Lilienthal.1234 wurde Anklam erstmalig urkundlich erwähnt. Mit dem Beitritt zur Hanse, wurde sie zu einer blühenden Hansestadt; Zeugnis dieses Reichtums waren die beiden Kirchen St.Marien und St. Nikolai.

Der Flugplatz ist riesig und wird militärisch genutzt, dadurch war es dort nicht so persönlich, wie auf den anderen Plätzen. Trotzdem war es auch hier kein Problem mit dem Treibstoff. Genau zur Mittagszeit kamen wir an und die nette Dame in der Flugleitung bestellte uns auch noch ein Taxi, damit wir zur Innenstadt gelangen konnten, um einen Happen zu essen. Danach sollte es wieder zum Flugplatz gehen um noch einen schönen Abendflug nach Rügen zu machen. Leider erfuhren wir , dass der Platz um spätestens 1900 Uhr geschlossen wird und keine spätere Landung möglich ist. Nach unzähligen Telefonaten mit den Flugplätzen haben wir uns entschlossen, weiter nach Stralsund zu fliegen, denn dort konnten wir noch bis 2000 Uhr fliegen, Rügen war dann so nah !!

Es wurde ein wunderschöner Flug entlang der Ostseeküste und vorbei an der Hansestadt Greifswald um ca. 1700 Uhr war dann endlich die ehemalige Volkswerft von Stralsund in Sicht. Wer von Stralsund aus seine Flüge in die Umgebung plant, kann getrost sein GPS in die Ostsee werfen, denn den Bau der Volkswerft sieht man locker noch aus 50 km Entfernung.

Stralsund wurde am 31.10.1234 das Stadtrecht verliehen und Ende des 13. Jahrhunderts in die Interessengemeinschaft der Hanse aufgenommen. Im Laufe der weiteren Geschichte brachte es die Hansestadt zu Wohlstadt und einer gewissen Größe, die nicht zuletzt deshalb den Neid der Nachbarstätte erregte. Aus der Luft betrachtet, verbreitet die Stadt mit seiner schönen Bucht und der markanten Brücke nach Rügen eine wunderbare Stimmung, die so meistens nur auf Postkarten zu finden ist.

Der Flugplatz von Stralsund liegt direkt in der Nähe der Ostsee und würde auch ein paar Sterne bekommen. Nicht wegen des Komforts sondern wegen der familiären Atmosphäre, bei der man sich sofort wie zu Hause bei Muttern fühlt. Die Übernachtungsmöglichkeit liegt direkt am Platz und ist günstig. Nachdem wir unsere Quartiere bezogen hatten und einer kurzen Trinkpause war es endlich soweit. Es blieben uns noch anderthalb Stunden Zeit für einen schönen Abendflug nach Rügen, dem Ziel unserer Reise.

Nach einem kurzem Hüpfer über die Ostsee, lag die größte der deutschen Inseln bereits vor uns. Entlang der Bahnlinie und wunderschöner Alleen ging es über bunten Feldern Richtung Hafen von Sassnitz. Von hier flogen wir direkt auf die weltberühmte Kreideküste zu. Rechts von uns die zauberhafte Bucht von Prorer Wiek und das Ostseebad Binz. Von hier aus sind es mehr als 700 Kilometer Luftlinie bis Griesau. Mit einem etwas mulmigem Gefühl sind wir über der Ostsee entlang der Kreideküste vorbei am Königsstuhl geflogen. Notlandemöglichkeiten gibt es da nicht gerade viel, aber es gibt Momente im Leben, da sollte man nicht an so etwas denken. Der Königsstuhl markiert zugleich den höchsten Aussichtspunkt auf Rügen. Weiter bis Kap Arkona und dann Rückweg vorbei noch am Schloß Ralswiek, und dann nach Stralsund. Beeindruckt von diesem wunderschönen Flug und nach einem netten Zusammensein auf der Terrasse der Flugplatzkneipe, fielen wir erschöpft in unsere Betten. Wären die Gardinen so breit wie die Fenster und die Mücken nicht in unserem Zimmer und keine ( nicht zu laute ) Musik von einer jugendlichen Nachtparty gewesen , hätte sicherlich auch Werner, ohne sich die ganze Nacht zu ärgern, gut schlafen können.

Am nächsten Morgen entschlossen wir uns dann wieder zurück Richtung Heimat zu fliegen. Wirklich schade. Allerdings nur 3 Maschinen, da Werner noch ein paar Tage länger bleiben ( Rentnerleben) wollte und so machten wir uns auf den Heimweg. Ohne Werner würde es bestimmt nicht mehr so lustig sein.

Den Rückflug wollten wir unbedingt an einem Tag schaffen. Dank der hervorragenden Sitze unserer Enduro-Trikes hatten wir auch keine Bedenken, dass wir den ganzen Rückflug über gequält auf den Sitzen rumrutschen müssen. Die unzähligen Seen von Mecklenburg Vorpommern haben wir bald hinter uns gelassen, und es zeigte sich wieder, dass der Mensch ein "Gewohnheitstier" ist, denn unsere Zwischenlandungen führten uns wieder nach Bienenfarm, Taucha und Auerbach.

Kleine Geschichte zum Zwischenstop in Taucha.

Als wir dort unseren Zwischenstop machen wollten, bekamen wir leicht verwirrende Anweisungen wie zum Beispiel melden Sie " dritte Kurve " , oder "was ist ihr Begehr" oder rollen sie zum Objekt.?????????? Der sicherlich gut gemeinte Versuch, uns auf die Segelflugpiste "runterzulassen" hatte dem guten Mann offensichtlich soviel Nerven gekostet, dass er uns zum Schluss, als wir darum, baten die Motorpiste nehmen zu dürfen, nur noch meinte " In drei Gottes Namen , nehmen sie die Motorpiste"!!!.

Um 1900 Uhr war der Bayerische Wald in Sichtweite. Man könnte glauben der Wettergott ist ein Trikeflieger. denn während des ganzen Hin- und Rückfluges bekamen wir keinen Tropfen Regen ab. Nur die letzte Etappe flogen wir mit Erfolg  an einem Gewitter vorbei. Der Bayerische Wald war in seiner Abendstimmung schon teilweise in Nebel gehüllt und ich hatte die Ehre den letzten Funkspruch dieser Reise zu tun. Ich glaube jeder von uns wird ihn nicht so schnell vergessen.

"Griesau Info"  D-MBMW zusammen mit zwei weiteren Trikes

VFR - Flug von Stralsund zur Landung.....


Rudi Bierenfeld 
 

Bei Interesse einfach anrufen unter Tel. : 0172 86 53969 oder eine Mail an  Rudis@Trikefly.de